DIARY

18.02.2011 / Lübeck, VeB

19.02.2011 von Philipp

"C., lange nicht gesehen!" - "Jaa?"

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Gibt’s doch nicht: Schon fast drei Jahre ist es her, dass wir in Lübeck gespielt haben. Höchste Zeit also, dass wir dem VeB wieder einen Besuch abstatten.

Der Schuppen ist ja auch einfach urgemütlich und herrlich klein. Wie die über 100 BesucherInnen überhaupt reingepasst haben, weiß Veranstalter Max später auch nicht…

Aber erst mal gibt es lecker veganes Essen, sogar mit Pfannkuchen zum Nachtisch. Ist doch wirklich auffällig: Je größer die Läden, desto liebloser ist die Bewirtung. In den winzigsten AZs hingegen stellen sich KöchInnen der Konzertgruppen stundenlang hin und zaubern mehrgängige Menus.

WHEN WE GOT WASTED haben erst vier Songs erschaffen, die ruckzuck runtergeholzt werden und in der bereits proppenvollen Hütte gut gefeiert werden. Ist alles noch ganz schön holprig, aber scheiß drauf - Punkrock.

Stumpf ist Trumpf, sagen sich WIRRSAL und schrubben ein herrlich anachronistisches Anarchobrett runter. Titel wie „Bullenterror“ oder „Bush“ sind bereits programmatisch und meine Aussage „wie DAILY TERROR in noch stumpfer“ wird als Lob aufgefasst (war ja auch so gemeint). Bestens unterhalten gefühlt.

Jo, es sind viele bekannte und geliebte Gesichter da – die Arschgeigen von SODIUM, unsere Hamburger Straßenpunker um Pape, Lauri, Fred & Co sowie SchülerInnen und KollegInnen vom OGT, wo ich ja quasi um die Ecke unterrichte. Eine explosive Mischung, die sich in einem wahren Pogorausch entlädt. Fällt doch auf, dass das Publikum heute im Durchschnitt jünger ist als zum Beispiel in der Kieler Pumpe neulich und noch ordentlich auf Austoben aus ist. Obwohl… mit dem Alter hat das vielleicht auch garnix zu tun, denn WIR sind ebenfalls darauf aus, uns auszutoben… Der Platz ist beengt, aber das stört mich heute überhaupt nicht. Ständig purzeln ganze Gruppen von Menschen auf die Bühne, während Andi und ich uns wiederum IN den Mob stürzen. Chaos, geil, mag ich! Textsicher sind hier auch viele und – für mich persönlich mit am wichtigsten für einen gelungenen Auftritt – der kommunikative Austausch ist sehr lebendig. So wird mit vereinten Kräften ein Hund rausgeschafft und der dafür Verantwortliche gedisst. Und der ehemalige DOC Googleberg bekommt natürlich sein Fett weg, wobei mir auffällt, dass auch Fred früher in der Schuler abgeschrieben habe. Dieser sei allerdings nicht Verteidigungsminister geworden, was Fred mit einem ebenso trockenen wie optimistischen „Kann ja noch kommen!“ kommentiert. Nicht zu vergessen  die Tigermama, die mit ihrer Behauptung, man sei nur glücklich, wenn man ein Instrument perfekt beherrscht (und autoritärste Erziehungsmethoden befürwortet), mal gar nichts verstanden hat und mindestens einen MONAT lang zu WIRRSAL in den feuchten Proberaum gesperrt gehört. 'ne Zwangspause durch eine gerissene Basssaite wird von Zarc glatt in ein Highlight verwandelt, indem er "Wonderboy" von TENACIOUS D zockt (interessant auch, wie viele den Song er/kennen).

Für mich ein herausragend guter Auftritt. Alle glücklich? Nicht ganz: Andi fühlt sich zu recht deutlich weniger zufrieden, haben ihn Zarc und Nils doch von links und rechts ständig bedrängt, „doch mal endlich Platz zu machen“…

VeB – jederzeit wieder!

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