14.10.2011 / Billstedt, Bambi Galore
23.10.2011 von Philipp
Phoenix Jones in Billstedt gesichtet!
Was für ein Bomben-Wochenende!
Und dabei hatten Flo von NEUE KATASTROPHEN und ich ursprünglich nur mal vage darüber gesabbelt, ob man mal zusammen zocken solle. Der gute Flo macht daraus gleich „THE BIG 4 OF KRACHPUNKTHRASHGEBALLER auf HH-Randbezirke-Blitztour 2011“, indem er zusätzlich die THRASHING PUMPGUNS & ORÄNGÄTTÄNG einlädt, geilste Flyer/Plakate raushaut und mit dem Bambi Galore (Billstedt) sowie dem Pankerhaus (Elmshorn) zwei sehr schöne Läden organisiert, hehe.
Im September kommt die völlig unerwartete Nachricht, dass die NEUEn KATASTROPHEN sich auflösen. Die beiden geplanten Konzerte mit uns gehören somit plötzlich zu den drei allerletzten Auftritten der Band – es sind die letzten in HH und Umgebung (eins folgt noch im Dezember in Oberhausen).
Krasse Sache, für uns eine echte Ehre, zumal ich die Band immer sehr gerne gehört habe.
Großes Hallo also im Bambi Galore, dem etwas seltsam benannten, aber sehr angenehmen Klub in Billstedt. Das Ding ist ein ehemaliger Wasserbunker, dessen Beton- und Gewölbestrukturen etwas sehr Archaisches an sich haben.
Erst mal gibt es ein lohnenswertes Tonträgertauschen, denn man hat schließlich nicht alle Tonträger voneinander...
ORÄNG ÄTTÄNG haben sich heute in Schale geschmissen und betreten durch fiese Verkleidungen derart entfremdet wirkend, die Bühne, dass man sich die Augen reibt, ob das denn wirklich unsere Lieblingsaffen seien. Das kleine Schwarze samt Handtäschchen trifft auf eine Art Ballkleid Marke aufgeschrecktes Huhn. Sogar das Make-Up ist hier stimmig. Doch spätestens als die Freaks loslegen, gibt es kein Vertun: Das sind die stinky songs, wie man sie kennt und liebt. Mich erinnern ORÄNG ÄTTÄNG irgendwie ein wenig an GAINSAY!, bekanntlich eine alte Spielweise der Harkonnen-Brüder Eric und Zarc. Zumindest haben beide Bands ungewöhnliche Songstrukturen, ballern gut rein und sind handwerklich ziemlich fit. Heute erscheinen mir die Hamburger noch abgefahrener, was am Auftreten liegen mag. Auf jeden Fall ein super Einstieg und das Bambi ist bereits mehr als voll, die Stimmung sehr gut.
Dann bereits NEUE KATASTROPHEN, die zwar ursprünglich als dritte oder vierte Band geplant waren, was aber nicht optimal durchdacht war, denn Flo spielt auch bei THRASHING PUMPGUNS Gitarre und braucht auch dazwischen vielleicht doch mal ein Päuschen. Die Playlist sieht respektabel lang aus – was hat die Band aber auch nicht für grandiose Hits geschrieben! Man denke nur an „Degowski-Beat“, „Bauzaun“, „Reeperbahn“, „Das Niveau“, „Alles ist scheiße“ oder meinen absoluten Fave „Leiche“. Und dennoch fehlen noch Knaller, so wird zum Beispiel „Arisches Arschloch“ vermisst. Man muss allerdings sagen, dass man die Stücke kennen muss, um sie live richtig genießen zu können. Im Adrenalinrausch ballern die Katstrophen alles verflixt schnell herunter, sodass viele Feinheiten auf der Strecke bleiben. Der Klang ist vor allem in der Mitte des Saales und weiter hinten gut, während man vorne den Gesang nicht laut genug hört. Dennoch geil (ich steh ja auch in der Mitte)! Ich habe noch eine Woche später einen ganzen Eimer voller NK-Ohrwürmer, die sich durch mein Hirn winden.
Nun müssen wir erst mal beweisen, dass es sich überhaupt noch lohnt, unseretwegen dazubleiben. Klar, es sind auch diverse bekannte Gesichter im Mob, aber vielen Besucher_innen sind wir unbekannt. Solche Herausforderungen lieben wir ja – also Knüppel heraus und Vladiismus in die Köppe kloppen! Wie mir Toffi danach versichert, bin ich in Sabbellaune. Fällt mir im Eifer des Moments nicht weiter auf, aber es gibt viele aktuelle Anlässe: Den echten Superhelden Phoenix Jones, der Seattle beschützt und eine ganze Superhelden-Liga um sich geschart hat – Punks in Lederjacken, welche Omas über die Straße helfen! Sowas wollen wir auch in Billstedt! Und Kiel! Ein anderes Thema sind die typisch deutschen Nimbys – überall laufen „Occupy the city“-Bewegungen, aber den meisten Deutschen ist nur eines wichtig: „Not in my backyard! Windkraft? Ja! Aber bitte im Nachbardorf!“ Musik machen wir dazu (bzw dagegen) auch noch! So.
Für die Vladis beginnt jetzt schon die Party, zumal wir bis auf unsere beiden Väter in Hamburg pennen und viele lange nicht gesehene Arschgeigen uns die Drinks nur so in die Pranken drücken. Zum Geknatter der THRASHING PUMPGUNS geht der Kram runter wie Öl. Mit dabei ist ja Olli von SUFFERAGE, den ich immer gern auffer Bühne seh. Zusammen mit Flo und Ayhan Maiden ergibt das ein Langhaarsaitentrio, wie es sich jede Todesbleikapelle wünscht, hehe. Schlagzeuger Vic und Schreigräte Rolf (Ex-JOHNNY BLACKHEART AND THE ELIMINATORS, da allerdings am Bass) geben natürlich auch alles und so können TPG sogar als vierte Band noch amtlich Energie aus dem Mob quetschen.
Da bereut es wohl keine/r den Weg bis nach Billstedt gewagt zu haben (für Hamburger_innen ja fast schon Ausland) und wer die letzte U-Bahn verpasst hat, feiert halt im Bambi mit uns bis morgens weiter.
Irgendwann treten wir den Weg zu einer Freundin an, bei der wir netterweise pennen dürfen. Eric ist sich über Streckers Ortskenntnisse bei zunehmender Wegdauer, diversen Zigarettenpäuschen und Umsteigeaktionen nicht mehr so sicher, aber ich beruhige ihn, dass Strecker AUF JEDEN FALL wisse, wohin wir gerade unterwegs seien. Stimmt ja auch und um halb sieben Uhr morgens wird uns auch sogar noch geöffnet. Knicks und bis morgen!


