DIARY

05. & 06.06.’09 / Ellerdorf, WILWARIN FESTIVAL XII

08.06.2009 von Philipp

Horrorwahnsinn am Arsch der Heide

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Warum ist das Wilwarin so geil? Warum sind nicht alle so geil? Liegt es am leicht… ich möchte fast sagen hippiesken Flair? Ein Hauch von Grill(tofu)wurst liegt in der Luft. Und von Punkrock. Und von Liebe! Egal, jedenfalls stimmt die Mischung: In kreativer, liebevoller und mühsamer Kleinarbeit stampft die Wilwarin-Crew jedes Jahr ein besonderes Ereignis aus dem Boden, welches man in der Form nirgendwo anders findet.

Umso schöner, dass die Familie Harkonnen dieses Jahr eingeladen ist! Strecker beladet das Streckermobil mit Marlene, Vladi-Equipment, kistenweise Alkoholika, bisken was zu essen und mir, Eric donnert hinterher, weil er seine Karre am Start haben muss.

All die netten Gesichter! Ich fang gar nicht erst an. Die Leute sind heute für mich das Festival. Musikalisch ist für mich nicht viel dabei. CALLEJON spielen Metalcore zum Fremdschämen, SONDASCHULE verjagen mich mit Ska. Für BOUTIQUE ROUGE, MOSQUITO JACK oder die DETECTORS sind wir leider zu spät. So reißen mich heute nur ALIAS CAYLON aus den Latschen, wobei ich bei den Gigs von GROSSSTADTGEFLÜSTER und GORILLA MONSOON schon auch meinen Spaß habe, obwohl mich beide rein musikalisch nicht berühren. Eher der kleine Rotzbengel, der auf der „Demagogenbühne“ traurige Geschichten (!) erzählt.

Strecker warnt alle vor bösartigen Ents, die ihm letztes Jahr einen astigen Finger ins Auge gebohrt haben. Dazu gibt’s Lütjen Minze.

Aber kalt wird es, als die Sonne sich verpisst! Sicherlich der meistgehörte Satz am Freitagabend: „Alter, IST DAS KALT!“. Irgendwann  lieg ich mit Schal, Pullover, Jacke und Buxe in meinem Schlafsack und zittere immer noch. Auf den Autos blühen Eisblumen.

Dafür böllert wenige Stunden später gnadenlos die Sonne aufs Zelt. Eine echt Sahara-artige Erfahrung. Boah, die Dixis sind schon hart zugeschissen. Ich will das jetzt nicht näher verbalisieren, aber die Öffnung in so einem Dixi-Klo sollte doch eigentlich groß genug sein, um wenigstens ungefähr zu treffen…

Der Tag gleitet sanft dahin. Immer wieder trudeln nette Leute ein, die man kennt oder kennen lernt. Lyrikgenie Grimmi hält uns ‘ne Lesung aus seinem Gedichtband „Meisenpoesie“, der auf dem letztjährigen Wilwarin entstanden ist. Leider hat jemand in der Nacht die „Demagogenbühne“ geschrottet. Schwein! Auch sollen auf dem Gelände einige Faschos rumlaufen. Geradezu absurd. NUCULAR überzeugen mit Frickelcore und gutem Gesang.

Mittlerweile sind alle Vladis anwesend. Backstage lernen wir die netten Freaks von ANNIHILATION TIME kennen, die kurz darauf einen Mördergig hinlegen. Bisher dachte ich, dass ein Aufeinandertreffen von THIN LIZZY, BLACK SABBATH, BLACK FLAG und POISON IDEA nur in meiner Plattensammlung stattfindet, aber ANNIHILATION TIME kriegen genau diese Mischung hin. Eins meiner diesjährigen Highlights. Dreckig, schmierig und hemmungslos.

Backstage herrscht nun ein buntes Treiben. SCHEISSE MINELLI sind super Typen, mit denen sich entspannt feiern lässt. Eric baut sein gigantisches Rack auf, FRANKIES FREAK SHOW stellen mannshohe Spiegel auf und schminken sich, während TRIKE electromäßig auf der Bühne abgehen und eine Polonaise durchs Publikum veranstalten.

Huch! Plötzlich schon Showtime für die Vladis. Schwede, das Zelt ist ja gerammelt voll. Ich mein, ich spiel auch gern vor nur fünf betrunkenen Punkern und drei Hunden (oder umgekehrt), aber nett ist das irgendwie schon. Höfliche Fucker hier! Guter Auftritt. Es erhebt sich eine Dreckswolke, die es mir noch jetzt erlaubt, erfolgreich zu popeln. Backi AmBoss regelt einen grandiosen Klang auffe Bühne. Pech hat Nils, dem vor Kurzem die Tretmine Probleme bereitet hatte. Er hatte das Teil reparieren lassen, im Proberaum war alles wieder funktionabel, aber mitten während des Gigs schmaucht der kleine Fucker wieder ab, sodass die Klampfe ab und zu weg ist. Naja, ich bekomm das gar nicht mit, und auch sonst lässt sich offenbar niemand den Spaß verderben. Ein dickes Dankeschön!

Die Jungs von FF guck ich mir aus dem hinteren Teil des Zeltes an. Die gefallen mir wirklich immer besser und der Sänger ist mal echt eine charismatische Erscheinung. Würd ich glatt Marilyn Manson und Dita von Teese im Doppelpack vonner Bettkante für schubsen.

TRIP FONTAINE gucken wir uns von hinten an. Ich hätte die fast verpasst, aber es macht Spaß zuzusehen, wie sich die Band von Song zu Song krasser ins Nirvana schraubt. Bei allem Gefrickel entstehen fesselnde Melodien und interessante Spannungsbögen. Find ich heute noch besser als vor einiger Zeit im Kieler Bunker.

SCHEISSE MINELLI! Die kommen aus Frankfurt a.M. und sind nicht nur saunett, sondern auch saugut. Völlig entfesselter Hardcore mit einem durchgedrehten Ami-Sänger, der einfach mal alles gibt und dann noch mehr. Beim, zweiten Song hängt er schon mit Schweinebaumel an den Deckenbalken, später haut er sich eine Bierpulle an den Kopp. Die Bewegung ist ganz beiläufig und soll sicher gar nicht den Effekt haben, DEN sie dann aber hat: Die Stirn platzt auf und flugs ist Samuel El Action am ganzen Körper blutbesudelt. Sanis zerren ihn nach ein paar Songs von der Bühne, der Rest wird im blutigen Turban absolviert. Hell yeah, da weiß man doch, warum man Hardcore so liebt!

Ich verzichte danach auf jede weitere Note Musik, denn da KANN nix mehr kommen, und gebe mich ganz dem Wilwarin-Rausch hin.

Fazit: Ein perfektes Fest! Verbesserungswürdig sind für nächstes Jahr die Fressbuden. Auf dem Campinggelände hat der Frühstücksmann nur trockene Brötchen (bisschen Käse raufschmottern wär doch kein Ding?), auf dem Konzertgelände ist leider nur ein einziger Stand mit Fleisch und Pommes. Weil der Stand ständig belagert ist, holen die Menschen da die Pommes viel zu früh aus dem Fett. Man bekommt so halbrohe, weiße Dinger. Später sogar ohne Majo oder Ketchup, nur noch mit Asia—Soße. Ekelhaft. Ansonsten spielen wir gerne wieder, wenn man uns lässt!

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